12-Stunden-Tag: Lohnraub beginnt bereits

Der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche ohne Überstundenzuschläge werden Realität. Erste Unternehmen versuchen schon, ihre ArbeitnehmerInnen zu Vereinbarungen zu drängen, die den 12-Stunden-Arbeitstag zuschlagsfrei machen.

„Der Lohnraub und die Ausbeutung der ArbeitnehmerInnen, die Kurz und Strache möglich machen, beginnt schon, bevor das Gesetz in Kraft tritt“, stellt gf. SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder fest. In der AK-Arbeitsrechtsberatung ist bereits der erste Fall einer neuen Gleitzeitvereinbarung nach dem Beschluss des 12-Stunden-Tag-Gesetzes aufgetaucht: Ein international tätiges Handelsunternehmen legt seinen 150 MitarbeiterInnen in der Wiener Zentrale derzeit eine neue Gleitzeitvereinbarung zur Unterschrift vor, wonach aus bisherigen Überstunden normale zuschlagsfreie Stunden werden, die nur als Gleitzeit freigenommen werden können. Dabei spricht das Unternehmen von einer täglichen „Normalarbeitszeit“ von 12 Stunden. AK-Präsidentin Renate Anderl stellt dazu fest: „Das ist glatter Lohnraub! Wo bleibt da der Ausgleich für die Beschäftigten?“

Großspender von Kurz haben bekommen was sie wollen

In dem Unternehmen gibt es keinen Betriebsrat. Die Firma kann daher mit jedem Einzelnen eine Gleitzeitvereinbarung abschließen. Rechtlich halte diese Vereinbarung zwar auch mit dem 12-Stunden-Tag-Gesetz nicht, so die AK. Es werde aber kaum ein Mitarbeiter dagegen klagen. Die Beschäftigten akzeptieren in der Regel aus Angst vor Arbeitsplatzverlust bzw. Nachteilen bei der Karriere. „Die Spender von Kurz haben den 12-Stunden-Tag bestellt und bekommen“, erinnerte Schieder an die entsprechende Forderung von KTM-Chef Pierer noch im Wahlkampf. „Jetzt zahlen die ArbeitnehmerInnen die Rechnung – leider noch schneller als befürchtet“, so Schieder.